Pflegetipp: Gewalt in der Pflege

Gewalt in der Pflege ist noch immer ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Es ist schwierig die Gewalt als solche aufzudecken, da die meisten Betroffenen sich schämen oder Angst haben. Außerdem suchen viele Betroffene die Schuld bei sich und oftmals fehlen auch die Beweismittel.

Gewalt wird aus Sicht des Opfers immer anders empfunden. Es gibt dabei nicht nur physische Gewalt, sondern auch die physische Gewalt. Nachfolgend möchten wir Ihnen einige Gewaltarten aus Sicht der betoffenen Gruppen darstellen sowie Grundregeln für Pflegekräfte vermitteln. Gleichzeitig möchten wir alle Beteiligten motivieren, durch eine Atmosphäre der offenen Kommunikation rechtzeitig Konflikte zu vermeiden.

Gewaltarten aus Sicht des Kunden/Patienten sind z.B.

  • Tätigkeiten werden abgenommen, die selbst ausgeführt werden können
  • Verletzung der Inmsphäre
  • Beschimpfungen
  • Missachtung von Wünschen und Bedürfnissen
  • Zwangsernährung zu den Mahlzeiten
  • Fixierungen am Bett

Gewalttaten aus Sicht der Pflegekraft sind z.B.

  • Beleidigung und Mobbing
  • Schläge
  • Sexuelle Belästigung

Die folgenden Gundregeln können Pflegekräfte im Umgang mit Aggression und Gewalt helfen

Für Sicherheit sorgen

  • Ziehen Sie immer den Pflegedienst z.B. Pflegedienstleitung hinzu, wenn Sie Anzeichen von Aggressivität oder Gewaltbereitschaft wahrnehmen
  • Das gleiche gilt, wenn Sie bei sich selbst ansteigende Wutgefühle vermerken bzw. Ihnen der professionelle Abstand zu der Situation entgleitet
  • Meistens kann es hilfreich sein, Unbeteiligte aus dem Zimmer zu bitten, wenn eine Situation zu eskalieren droht
  • Drehen Sie der Person nicht den Rücken zu
  • Achten Sie im Fall drohender körperlicher Übergriffe darauf, Verletzungsrisiken zu minimieren, indem Sie in ruhigen Bewegungen möglichst alles, was zum Schlagen und Werfen eingesetzt werden könnte, außerhalb der Reichweite bringen
  • Dokumentieren Sie den Vorfall sachlich und für Außenstehende klar nachvollziehbar
  • Melden Sie alle kritischen Zwischenfälle und besprechen diese im Team. Dazu gehören neben konkreten Eskalationen auch Situationen mit hohem Aggressionspotential

Deeskalation

  • Nehmen Sie erste Anzeichen einer Eskalation ernst
  • Begegnen Sie der hochangespannten Person mit Respekt, Aufrichtigkeit und Empathie
  • Sprechen Sie ruhig und in angemessener Lautstärke
  • Sprechen Sie die Person mit Namen an
  • Versuchen Sie, Ihre eigene Körperspannung zu reduzieren
  • Vermeiden Sie jede Art von Drohgebärden z.B. Fingerzeig oder verbale Drohungen
  • Versuchen Sie, die aggressive Person von der Situation abzulenken
  • Bieten Sie der Person etwas an z.B. ein Getränk, etwas Obst oder einen Spaziergang
  • Lassen Sie sich nicht auf Diskussionen ein. Beharren Sie nicht darauf, Recht zu haben.
  • Vermeiden Sie Ironie und Sarkasmus

 

 

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Dienstag, 7. April 2015